Beispiel für Gemeinsamkeit ohne Kirchen-Flair

Lukas Worsch, Marie Ertel (v. links) und Tom Löffler (Dritter v. rechts) halfen mit weiteren Ehrenamtlichen beim Plakatieren
Bildrechte: Andrea Pitsch (Hersbrucker Zeitung)

Vom 20. bis 22. Mai findet das Herzschlag-Festival am Hersbrucker Plärrer statt – Barrierefreies Event für jedermann

Es sind nur noch wenige Wochen, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und dennoch sind Marie Ertel, Lukas Wrosch und Tom Löffler total entspannt. Auch wenn viel Verantwortung auf ihren Schultern beim Herzschlag-Festival liegt.

Denn sie bilden die Besonderheit des Wochenendes, bei dem sich Glaube und Gemeinschaft auf angesagte Weise erleben lassen: "Es wird nicht von einer überörtlichen Organisation getragen und vorbereitet, sondern Jugendliche ab 13 Jahren haben es in die Hand genommen und bereiten es mit Unterstützung von Mitarbeitenden verschiedener Gruppen vor und führen es durch", erklärt Diakon Jochen Tetzlaff. Und das wegen Corona nun schon seit fast zwei Jahren. Daher wurden beispielsweise die Bands einfach weitergeschoben, so Tetzlaff.

Die sind ein wichtiger Bestandteil, sorgen sie doch für das Festival-Flair. "Das ist einfach so anders als Kirche", beschreibt es Ertel. Sie lernte das Event vor ein paar Jahren mit ihrer Konfi-Gruppe kennen und war vom Spaß und der Atmosphäre des Zusammenseins begeistert. "Da bekam ich Bock drauf, das mit zu organisieren und den Hintergrund zu erfahren." Also stieg sie 2020 mit ein. Ebenso wie Wrosch. Für den Musik-Fan ist Lobpreis ein großes Teil seines Glaubens. Als er sah, wie viele ehrenamtlich geholfen haben und wie schön das Wochenende dadurch geworden ist, dachte er sich: "Andere sollen das Gleiche erleben dürfen."

Selbst erlebt hat dagegen Löffler, der in seiner Kirchengemeinde aktiv ist, das Herzschlag-Festival noch nie: "Eine Freundin, die moderiert, hat mich gefragt, ob ich das mitmachen würde." Moderation, das sei etwas ganz Neues für ihn, "aber ich freu mich drauf". Vormittags werde seine Stimme für An- und Durchsagen gebraucht, dazu für Interviews und abends zum Ankündigen der Bands, erklärt Tetzlaff. "Gott sei Dank muss ich das nicht alleine machen", gibt er zu.

Training für die Bühne

Denn er denkt, er werde schon nervös sein, auch wenn er sich noch keine Gedanken gemacht hat, wie viele Menschen dann da vor der Bühne stehen werden. "Mir ist wichtig, dass ich das mit jemandem mache, mit dem ich gut kommunizieren kann." Daher wird er sich im Vorfeld noch ein paar Mal mit seiner Kollegin absprechen, "damit die Scherze auch klappen". Ein Coaching stehe auch noch an, ergänzt Tetzlaff. Ansonsten gelte es für Löffler, auf dem Laufenden zu bleiben und sich einen Überblick über Festival und Künstler zu verschaffen. Sein Stress startet dann am 20. Mai.

Da sind Ertel und Wrosch eigentlich durch mit ihren Aufgaben. Der 17-Jährige ist im Team "Werbung", in der jetzt die heiße Phase startet: "Wir müssen die Website bestücken, alle Angebote einpflegen, damit die Leute sehen, worauf sie Lust haben könnten." Um die Jugendlichen auf die Website zu locken, machen er und seine Mitstreiter über Social Media aufmerksam. "Da müssen wir halt schauen, was die Leute anspricht."

Er geht dabei auch von eigenen Erfahrungen aus. Die fehlten ihm aber beim Thema Homepage. "Ich mag das mit den Webseiten, aber woran soll ich daheim privat basteln?" Da kam ihm seine Aufgabe, per Baukastensystem viel am Web-Auftritt zu machen, gerade recht: "Das war ein richtiges Projekt." So wie Wrosch hat auch Ertel viel für sich und ihr eigenes Leben aus den Vorbereitungen mitgenommen.

Vor allem im Bereich Inklusion. Dafür, dass die Veranstaltung "für alle sein soll", ist sie nämlich zuständig. Möglich macht das eine Förderung der "Aktion Mensch". Damit konnten sich Ertel und Tetzlaff von "Barrierefrei feiern" beraten und in einer Schulung für den Besuch von Menschen mit Handicap sensibilisieren lassen. Die Bandbreite reicht von der richtigen Ansprache und barrierefreien Website über Hol- und Bringservice von der S-Bahn, markierte Parkplätze und Plätze im Festzelt, barrierefreien Kicker und Schwerlastmatten für nicht befestigte Wege bis hin zu Gebärdendolmetscher und Performerin, die die Musik übersetzt.

Der Toilettenwagen habe Einzelkabinen. "Wo sollen Menschen mit divers sonst hingehen?", fragt Tetzlaff und betont: "Wir wollen etwas Exemplarisches für Hersbruck aufstellen." Daher legt sich Ertel ins Zeug, schreibt Einrichtungen an, besucht sie und versucht, sie fürs Festival zu begeistern. "Wir überlegen auch noch, wie die Leute selbst noch mitwirken können."

Grenzenloser Spaß

Doch das ist nicht ihre einzige Baustelle: Zusammen mit ihrem "jüngsten Team" aus zehn Mädels und Jungs heckte sie die Angebote für den Samstagnachmittag aus: "Wir haben uns vor allem am Wochenende oder in den Ferien getroffen und gesammelt, was die Jugendlichen gerne an Kreativem, großen und kleinen Freizeitangeboten haben wollen." Grenzen habe es zunächst keine gegeben.

Mit Tetzlaff ist Ertel dann die Liste, die Bestellung, wie sie es scherzhaft nennt, durchgegangen. Da kamen dann Themen wie Versicherung oder Ähnliches auf. "Wir haben auch über Wasserspritzpistolen diskutiert", blickt er zurück, "die mag ja nicht jeder und die Stimmung soll ja nicht kippen". Ertel ist bei dem Projekt bewusst geworden, dass die Jüngeren von Technik und Infrastruktur weit weg sind: "Aber bei den Angeboten, da können sie sich richtig einbringen, weil sie Ideen haben und sagen können, was sie mögen."

Das war unter anderem ein Kletterturm; der ist aber nun weggefallen. "Ich habe gelernt, dass man Täler überwinden muss und mit Motivation weitermacht, weil die Probleme zu lösen sind." Dabei habe ihr natürlich ihr "super Team" geholfen. Ähnlich relaxed sind auch ihre Kollegen. "Bei der Technik kann immer was schief gehen", ist sich Wrosch bewusst. Aber dann komme ein Post halt mal 30 Minuten später. Und wenn bei Löffler auf der Bühne was falsch läuft? "Dann ist das so, und wir verkaufen es als Witz." Denn eines soll das Herzschlag-Festival machen – großen Spaß.

ANDREA PITSCH

Infos und Kartenbestellung für die Konzerte unter www.herzschlag-festival.de

Copyright (c) 2022 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 03.05.2022