Besondere Partnerschaft – 40. Jubiläum zwischen den Kirchengemeinden Hersbruck und Plau am See

Zusammen sangen und feierten die Mitglieder das 40. Jubiläum der Partnerschaft der Kirchengemeinden.
Bildrechte: G. Münzenberg (Hersbrucker Zeitung)

Was in den 70ern mit Briefen und einem kleinen Päckchen an die Evangelische Kirchengemeinde in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern begann, feierte 40 Jahre später Partnerschaftsjubiläum im Selneckerhaus der Stadtkirche in Hersbruck. Zusammen sangen die Mitglieder der Kirchengemeinden Hersbruck und Plau am See das Lied "Die Gedanken sind frei".

Die Gedanken – das wurde sehr schnell klargestellt – waren auch damals in der DDR frei, nur aussprechen durfte man sie nicht. Es war kein Festakt aus Zeremonien und Reden, sondern ein fröhliches Zusammensein mit Bildern, Liedern und Erzählungen.

Vielseitiges Programm

Die Begegnung begann am Freitagvormittag mit einer Stadtführung in Hersbruck. Am Nachmittag folgte ein Besuch des jüdischen Museums in Fürth und zum Abschluss die Motette des Windsbacher Knabenchors in der Nürnberger Lorenzkirche. Ein Erlebnis für alle Sinne. Am Samstag stand eine Wanderung von Rupprechtstegen durchs Ankatal zum Münzinghof und nach Gerhelm und wieder zurück auf dem Programm. Das Wetter machte nicht wirklich mit, aber die Führung und die Informationen bei der Lebensgemeinschaft Münzinghof machten das wieder wett.

Am Abend fand die eigentliche Jubiläumsfeier mit einem Treffen von Gästen, Gastgebern, Ehemaligen und Interessierten im Saal desSelneckerhausesstatt.Vonden allerersten Partnerschaftsteilnehmern von 1979 waren lediglich noch Elisabeth Kowalzik und Gisela Lange dabei. Zunächst wurden die ausgestellten Fotos betrachtet, alte Kontakte erneuert und neue hergestellt, bevor Klaus Wiedemann mit ein paar persönlichen Worten die Feier ganz offiziell eröffnete.

Heiner Lauterbach erläuterte anhandeinigerAusschnitteausder "Zeit" das Leid der DDR-Bürger durch Arbeitslosigkeit und Verlust der Lebensgrundlagen. Nach den hoffnungsvollen und euphorischen Wochen des Anfangs sorgte das für Verbitterung und Enttäuschung, die zum Teil bis heute anhält und an der manche Partnerschaften zugrunde gingen.

Singen und Reden

Nach Lauterbachs Bericht wurden Bilder von früheren Begegnungen an die Wand projiziert, alte Volkslieder gesungen, Gespräche geführt und Erfrischungen herumgereicht. Es herrschte eine ungezwungene Atmosphäre.

Der frühere Kantor Karl Schmidt erzählte, wie die Menschen aus Plau sich für die jahrelangen Zuwendungen erkenntlich zeigten und den Hersbruckern zum 250. Kirchweihfest 1988, also noch vor der Wende, eine der kleinen Orgeln schenken wollten, die in Plau hergestellt wurden. Der Orgelbauer hatte zur Bedingung gemacht, dass die Schenkung nur realisiert würde, wenn er persönlich mitreisen durfte – was zu dieser Zeit mit vielen Schwierigkeiten verbunden war, zuletzt aber tatsächlich gelang.

Die erste Begegnung nach dem Mauerfall fand am 1. Mai 1990 statt, als eine Gruppe aus Plau am See endlich Hersbruck per Kleinbus besuchen konnte. Im Jahr darauf machte eine Gruppe Hersbrucker den Gegenbesuch. Seitdem finden in jedem Jahr die wechselseitigen Begegnungen statt.

Nach dem Kirchweih-Festgottesdienst und anschließendem Kaffee mit Kirchweihküchlein ging das diesjährige Partnerschaftstreffen zu Ende und die Besucher traten ihre Heimreise an.

Copyright (c) 2019 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 26.10.2019