Ein letztes Mal am Altar

Dekan Werner Thiessen bei seinem Abschiedsgottesdienst.
Bildrechte: Andrea Pitsch (Hersbrucker Zeitung)

Musikalischer und humorvoller Abschiedsgottesdienst für Dekan Werner Thiessen

Als die Amtskette leise in den silbernen Teller rasselte, war es vorbei: Dekan Werner Thiessen sagte Tschüss zum "schönsten Dekanat Bayerns" sowie zu seinem geistlichen Dienst.

Nicht einmal beim Abschiedsgottesdienst wollte Dekan Werner Thiessen etwas dem Zufall überlassen und schaute kurz vor Beginn selbst in der Stadtkirche nach dem Rechten. Währenddessen füllten sich die Bankreihen stetig, unter anderem mit vielen Ehrengästen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Gespanntes Gemurmel erfüllte das Kirchenschiff – bis das Glockengeläut es schlagartig zum Verstummen brachte.

Unter den erhabenen Klängen des Posaunenchors der Kantorei schritten die Geistlichen ein – und stauten sich im Gang. So viele ließen es sich nicht nehmen, Dekan Thiessen in den Ruhestand zu verabschieden. "Ich bin gerührt, dass so viele gekommen sind", sagte Thiessen zur Begrüßung. Lacher erntete er für seine Erläuterungen zum Wochenspruch. Zurückblicken könne man am Sonntag auf die Woche, vor allem diejenigen, die Montag nicht in Rente seien.

Auch in seiner Predigt wirkte Thiessen gelöst. Humorvoll betonte er, dass eben alles seine Zeit habe – "so auch der Dienst für die Kirche und der Ruhestand". Er hatte Jeremias in den Mittelpunkt seiner Worte gerückt, der "Gott in der Bibel anklagt, wie kein anderer".

Aber das sei gut, denn Verbitterung mache stumm und hart. Jammern sei dagegen ein "fruchtloses Selbstgespräch, das einen nach unten ziehe". Die Menschen sollten daher mit dem Herrn reden: "Er hält uns aus."

Dankbar für Menschen

Thiessen machte damit deutlich, dass der Herr liebevoll und unberechenbar sei. Daher solle man nie vergessen, was er einem Gutes getan habe. Und da fiel Thiessen für sich eine Menge ein. Er zeigte sich sehr dankbar für alle Menschen, "die Feuer im Herzen für Gott haben", für seine Kollegen, die Gemeinde, Mitarbeiter, Gruppen, Kreise und für alle Begegnungen, "die mir im Herzen bleiben werden". Auch seine Frau Beate vergaß er nicht: "Ich bin ohne sie gekommen, aber ich nehme sie unbedingt mit." Lachen im Kirchenschiff.

Die Chöre empfand er als Bereicherung, denn sie verkündigen das Evangelium in Noten: "Ich liebe Musik und hier bin ich voll auf meine Kosten gekommen." Kein Wunder, dass der Gottesdienst von Musik geprägt war. So sang die Kantorei fast engelsgleich von hoch oben und der Gospelchor präsentierte sich fetzig und mit Cajon-Begleitung.

Auch die Pfarrer des Dekanats hatten sich etwas einfallen lassen. Sie symbolisierten sich und die "zutiefst menschliche" Zusammenarbeit mit Thiessen in einem bunten Blumenstrauß – 20 Blumen für jede Pfarrei, dazu eine Rose für den Dekan, ein Häuschen für alle Bauprojekte, wovon "einige noch aufblühen werden", und ein lila Band für die evangelische Kirche in Bayern, die alle verbinde.

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche charakterisierte den "typischen Thiessen". Er habe immer genau hingeblickt, habe die Dinge auf den Punkt gebracht und sei ein Mensch mit "brennendem Herzen und klarer Sprache" gewesen. Er entband Werner Thiessen offiziell von seinem Amt und wünschte ihm das Beste für den Ruhestand: "Gott sei Dank für Ihren Dienst."

ANDREA PITSCH

Copyright (c) 2019 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 26.03.2019