Mit Herz und Humor glauben

Hannes Schott kommt mit seinem Buch "Raus aus dem toten Winkel" zu einer Lesung in die Stadtkirche.
Bildrechte: Penguin Random House Verlagsgruppe

Wir bedauern, dass die Veranstaltung des Männerkreises der Stadtkirchengemeinde Hersbruck mit Hannes Schott am Donnerstag, 25.11.21 nicht stattfinden kann.

Wir werden uns um einen Ersatztermin bemühen.

Hier können Sie das Interview aus der Hersbruck Zeitung nachlesen.

Sie sind nicht nur Pfarrer, sondern auch Kabarettist. Wie passt das zusammen und wo helfen sich die beiden Bereiche gegenseitig?

Hannes Schott: In beiden Tätigkeitsfeldern braucht's Herz, Hirn und Humor – und auch die Kanzel ist eine Bühne. Insofern sind die beiden Bereiche nicht so klar zu trennen und befruchten sich immer gegenseitig. Der Pfarrer gibt dem Kabarettisten Tiefe und Sinn und der Kabarettist gibt dem Pfarrer Humor und Leichtigkeit. Dass die Welt und das menschliche Miteinander besser werden, wollen sowohl Pfarrer als auch Kabarettist.

Mit einem Augenzwinkern gingen Sie auch an Ihr Buch heran. Wie kam es überhaupt dazu?

Ein Mitarbeiter des Kösel-Verlages hörte mein Interview auf der BR-Blauen Couch und meinte, es wäre Zeit, ein Buch mit mir zu veröffentlichen. Da konnte ich auch wenig dagegen sagen und hab' meinen Blick auf Gott und die Welt aufgeschrieben. Der Kösel-Verlag forderte dann noch mehr Autobiografisches , also hab ich da noch ein paar amüsante Geschichten aus meinem Leben mit Bezug zum Glauben aufgeschrieben – und fertig war das Buch, das ich immer noch selber sehr lesenswert finde.

Die meisten leiden unter Corona und können der Lage wenig Positives abgewinnen. Doch Sie finden, dass die Kirche in der Pandemie "aus ihrem toten Winkel herausgekommen" ist. Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?

Ich habe wirklich große Kreativität bei Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land erlebt, um unter höchst erschwerten Bedingungen ihre Schäfchen zu erreichen. Trotzdem ist die Kirche medial oft weiterhin im "Toten Winkel" und Negatives zu Kirche und Glauben wird massiv verstärkt, während die vielen guten und wundervollen Erlebnisse keine Erwähnung wert sind. Da besteht auf jeden Fall Besserungsbedarf.

Welche neuen Wege braucht Kirche, um attraktiv für die Menschen zu bleiben oder wieder zu werden?

Neben digitalen Formen zählt in der Kirche weiterhin das Analoge, direkt vor Ort, nah beim Menschen. Das muss niederschwellig, ehrlich, authentisch und auch mit Humor und Selbstironie stattfinden, ohne Machtstrukturen und Zwang. Meine alternativen Wohnzimmergottesdienste – ich habe mich als Pfarrer verlost und hab' bei Menschen daheim dann Gottesdienst gefeiert – oder im Reisebus sind nicht das Allheilmittel, sondern kreative Anstöße, wie die Tradition originell und nah am Menschen weitergeführt werden kann. Wir haben eine wunderbare frohe Botschaft – es muss jeweils passend die jeweilige Form gefunden werden, um die Menschen zu erreichen.

Mit diesen Ideen kritisieren Sie auch in gewisser Weise bestehende Strukturen und Formate.

Über Jahrhunderte hat die Kirche von oben herab den Menschen gesagt, was richtig oder falsch ist und wie sie zu leben haben. Dabei sind wir alle gemeinsam auf dem Weg des Glaubens unterwegs und da sollte die Kirche einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen. Dass Gott uns Menschen alle liebt, egal wer oder woher wir sind, und auch ob wir was angestellt haben – das ist Kern meines Glaubens. Auf fränkisch heißt das "Bassd scho".

Weniger Pfarrer, weniger Gläubige, zunehmende Digitalisierung – ist Kirche vom Aussterben bedroht?

Das liegt ja alles nicht in unserer Hand, sondern in der Hand dessen, der die Kirche und die Welt lenkt. Und ich glaub, der hat mit der Kirche – und mit der Welt – weiterhin was vor! Die Stärke der Kirche ist ein positiver, liebevoller Blick auf Mensch und Welt in einer zunehmend anonymen Welt und großartiger Ort zur Selbstverwirklichung, Kreativität und Pflege des Glaubens.

Kirche bedeutet für Sie ….?

Halt … und Gehalt. (lacht)

Copyright (c) 2021 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 19.11.2021