Was Leonhard mit dem Spital zu tun hat

Schlägt man die erste Seite des Altarführers auf, kann man sich zunächst in die Entstehung einlesen.
Bildrechte: Andrea Pitsch (Hersbrucker Zeitung)

Kirchengemeinde Hersbruck bringt Altarführer zur Elisabeth-Altar in der Spitalkirche heraus – Aufzeichnungen von Dieter Fürst

Es ist das "wertvollste Kunstwerk", das sich in der Hersbrucker Spitalkirche befindet, ist Dekan Werner Thiessen überzeugt. Daher war es ihm ein Anliegen, dass das seit einigen Jahren im Raum schwebende Projekt einer Beschreibung des Elisabeth- Altars endlich zu Ende gebracht wird.

Denn: Eigentlich bestehen die Texte zum Altarführer seit etlichen Jahren. Der frühere und mittlerweile verstorbene Pfarrer Dieter Fürst hatte sich laut Thiessen sehr für Kunst und im Besonderen für den Elisabeth-Altar interessiert. Als Ruheständler habe er eine ausführliche Beschreibung aufgesetzt.

Diese Notizen haben Thiessen, Pfarrer Peter Baumann sowie Luise und Hans Treuheit nun überarbeitet, mit DIN A5 ein passendes Heftformat gefunden und der Dekan hat noch Fotografien beigesteuert. Diese machen nicht nur die allgemeinen Informationen über die Entstehung des Altars anschaulich, sondern auch die weitere Betrachtung, die Fürst oben und bei geöffnetem Altar beginnt.

Historische Einordnung

Jeden Bereich nahm der verstorbene Geistliche dabei einzeln unter die Lupe. So sind nicht nur das Leben von Elisabeth von Thüringen und Martin von Tours geschildert, Fürst ordnet die Personen auch historisch ein und interpretiert die künstlerische Umsetzung am Altar. Gleiches ist über die Bildtafeln rechts und links auf der Predella – dem Sockel des Altaraufsatzes – zu lesen, die die Grablegung Jesu – die logische Folge aus der detailreichen Kreuzigungsszene in der Mitte darüber – einrahmen.

Mit platten Beschreibungen gibt sich Fürst aber nicht zufrieden, er liefert auch Erklärungsversuche zum möglichen künstlerischen Vorgehen. So vermutet er, dass bei der Zeichnung der Kirche St. Sebald eine "alte Schablone hier wohl als Vorlage gedient" hat.

Die halb geschlossene Ansicht mit den acht Bildtafeln zu Leben und Wirken der Elisabeth war laut Fürst für die Passionszeit gedacht. Die einzelnen Szenen seien eine Mischung aus Legende und biblischer Geschichte, in die die Heilige gesetzt wurde, erklärt Fürst.

Mit den Tafeln wurden zudem die Erfahrungen der Spitalbewohner versinnbildlicht, interpretiert Fürst: "Die Bewohner des Spitals – die Pfründner –, selbst alt, krank und nicht wohlhabend, konnten sich auf diesen Bildern durchaus in denen erkennen, denen Gutes getan wird." Die Stifter entsprachen diesem Denkansatz zufolge Elisabeth, die für sie zum Vorbild werde.

Ist der Altar ganz zu, sind vier Heilige zu sehen. Fürst erläutert nicht nur, wer das ist, sondern auch, warum diese Personen womöglich ausgewählt wurden: "Die Abbildung Leonhards könnte darauf hinweisen, wie wichtig die Landwirtschaft, die zum Spital gehörte, für dessen Unterhalt war."

Sichtbare Historie

Zusammenfassend hält Fürst fest, dass es sich beim Elisabeth-Altar um ein "eindrucksvolles Zeugnis vorreformatorischen Glaubens" handle. Aber warum? "Da stand Maria als Heilige im Mittelpunkt, danach war es Jesus", klärt Thiessen auf. Elisabeth habe als Vorbild für die Menschen in sozialer Hinsicht gedient.

Den Gegensatz dazu bilde der barocke Christusaltar. Es sei gut, so Thiessen, dass nach der Reformation – im Gegensatz zu den Nebenaltären in der Stadtkirche – der Elisabeth-Altar nicht aus der Spitalkirche verbannt wurde: "So können diese beiden Sichtweisen nebeneinander stehen" und Historie ist dadurch sichtbar.

Der Altarführer ist ab sofort für zwei Euro in der Spitalkirche sowie im Hersbrucker Pfarrbüro erhältlich.

Copyright (c) 2019 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 14.02.2019