Wieder mehr Normalität in der Pflege

Susanne Deuschle leitet den ambulanten Pflegedienst der Diakoniestationen in Hersbruck.
Bildrechte: I. Lederer (Hersbrucker Zeitung)

Nach dem "Corona-Schock" kehrt auch in der Tagespflege wieder mehr Alltag ein – Keine vollständige Öffnung

"Im letzten Jahr erfuhren wir freitags nachmittags, dass wegen steigender Coronazahlen und Ausgangsbeschränkungen ab Montag die Tagespflege geschlossen werden muss", berichtet Susanne Deuschle, Leiterin des ambulanten Pflegedienstes der Vereinigten Diakoniestationen in Hersbruck. "Es war ein Schock für die Besucher, ihre Angehörigen und die Pflegekräfte und wir hatten anfangs große Bedenken, ob wir diese Herausforderung überhaupt bewältigen können".

Kreative Lösungen

Die Tagespflege wurde geschlossen, die ambulante pflegerische Versorgung jedoch lief weiter. Um die erforderlichen Hygienekonzepte umsetzen zu können, musste ganz schnell Schutzausrüstung beschafft werden. Weil die so gut wie nirgends mehr zu bekommen war, wurden oft kreative Lösungen gesucht und gefunden – beispielsweise in Kooperationen mit lokalen Apotheken, die Desinfektionsmittel herstellten. Als sich die Coronazahlen nach unten bewegten, konnte die Tagespflege schrittweise wieder geöffnet werden. Zunächst nur mit zwei Personen – inzwischen darf wieder die Hälfte der vorhandenen Plätze belegt werden.

"Alle sind geimpft, werden täglich getestet, halten Abstand – und trotzdem ist es immer noch nicht erlaubt, wieder mehr Leute in unserer Tagespflege willkommen zu heißen", wundert sich Deuschle. Die Tagespflege hat an Wochentagen von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Die Besucher sind zwischen 60 und 90 Jahre alt.

Auch in Coronazeiten gibt es dort einen Wochenplan für den Tagesablauf, der auf Grund von Hygienemaßnahmen nur reduziert umgesetzt werden kann. Gemeinsam mit den Gästen trainieren die Pflegekräfte das Gedächtnis, es wird gepuzzelt, gebacken, im Garten gewerkelt, gebastelt. "Wir arbeiten dabei nach dem Maks-Konzept (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial), das die Entwicklung der Demenz bei leichten und mittelschweren Fällen verlangsamen kann", erklärt Deuschle.

Wenn sie auf das vergangene Jahr zurückblickt, so lobt sie die Zusammenarbeit mit Ärzten und dem Impfzentrum. "Das ganze Team sowie die Patienten und Angehörigen wuchsen enger zusammen." Der Blick in die Zukunft ist jedoch weiterhin nicht ungetrübt. "Wir sind immer noch weit von der Normalität entfernt und wissen noch nicht, was im Winter auf uns zukommt."

Derzeit zeichnet sich ab, dass der finanzielle Rettungsschirm Ende September nicht mehr zur Verfügung steht. Dann würden sich die pandemiebedingten Mindereinnahmen und Mehrausgaben sehr negativ auf die wirtschaftliche Situation der Tagespflege auswirken – mit unabsehbaren Folgen. Auch der Pflegenotstand schafft eine prekäre Situation. Längst nicht alle Anfragen können positiv beantwortet werden
"Nicht zu bewältigen"

Mit Besorgnis nimmt Deuschle die Folgen des Urteils des Bundesarbeitsgerichts zur Kenntnis: "Mitarbeiterinnen in der 24-Stunden-Pflege brauchen faire Bedingungen und eine angemessene Bezahlung. Jedoch werden sich dies viele Familien nicht mehr leisten können. Das bedeutet, dass sich noch mehr Menschen an Einrichtungen wie die Diakonie wenden werden. Das ist bei uns und dem derzeitigen deutschlandweiten Fachkräftemangel nicht zu bewältigen", warnt sie.

Der ambulante Pflegedienst der Vereinigten Diakoniestationen in Hersbruck betreut im gesamten nördlichen Landkreis zirka 200 Personen. Darüber hinaus betreibt die Diakonie in Altensittenbach eine Tagespflege mit 20 Personen.

Copyright (c) 2021 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 10.08.2021