Ein Ensemble hebt ab

"Und Fliegen!" Dirigent Susumu Kakizoes Luftsprünge animieren das Bläserensemble Noris Brass zum Abheben.
Bildrechte: Ute Scharrer (Hersbrucker Zeitung)

Noris Brass beendet unfreiwillige Auftrittspause nach drei Jahren in der Stadtkirche Hersbruck – Temperamentvolle Bläser und Luftsprünge des Dirigenten

"Endlich wieder" hatte der organisatorische Leiter von Noris Brass, Helmut Schmidt, der Hersbrucker Zeitung gegenüber erleichtert geseufzt. "Endlich wieder" wird zum Motto des ganzen Konzertabends: endlich wieder ohne Maske in der bis unters Dach gefüllten Stadtkirche, endlich wieder Schulter an Schulter Musik genießen, endlich wieder Bläser ohne Schutzschilde. Die Stimmung ist entsprechend gelöst, das Publikum geht mit, macht anerkennende Laute, wenn alte Lieblinge angekündigt werden, und spendet großzügig Applaus.

Stehende Ovationen sowohl am Anfang als auch am Schluss des Konzerts, das ist wohl eher eine Seltenheit. Schon bei Einzug des Nürnberger Ensembles, das in Hersbruck sein "Fünfundzwanzigjähriges-plus-drei-Jubiläum" feiert, stehen etliche Konzertbesucher auf und klatschen. Am Ende sowieso, die Zuhörer mögen die Musiker gar nicht ziehen lassen, jedenfalls nicht ohne drei Zugaben.

Dazwischen liegt ein fulminantes Konzert mit Schmiss und guter Laune, eine feine Balance zwischen bombastischer Filmmusik und den leisen Tönen eines Wiegenlieds. Mit Pauken und Trompeten und dem "Einzug der Gäste" aus der Wagner-Oper Tannhäuser macht das 15-köpfige Ensemble gleich klar, dass aus einem kleinen Kirchenschlaf nichts werden würde, schon gar nicht in den ersten Reihen. Schon eher vorstellbar, dass die Mauern von Jericho tatsächlich wie in der biblischen Geschichte durch Trompeten zum Einsturz gebracht worden sein könnten. Dirigent Susumu Kakizoe akzentuiert das temperamentvolle Musizieren seiner Combo jedenfalls gleich einmal mit einem beeindruckenden Luftsprung.

"Noris Brass" glänzt zwar in temporeichen Passagen und mit imponierender Lautstärke, hat aber auch Subtilität und eine enorme Wendigkeit in den Stilrichtungen zu bieten: ob das von Helmut Schmidt sanft in Richtung Jazz gestupste Arrangement der Lieblingsmelodien aus dem Musical "My Fair Lady" oder die tanzlustige Leidenschaftlichkeit von "The Irish Washerwoman", ob die raffiniert verwobenen Stimmen der Bachkantate "Gelobet sei der Herr, mein Gott" oder die gut gelaunt swingenden Kompositionen aus der Feder von Leroy Anderson. Das empfindliche Gleichgewicht zwischen der leichten Komik und trügerischen Leichtigkeit der wie ein Kinderinstrument wirkenden Melodica und der unheimlichen Wirkung, die die ikonische Melodie aus "Spiel mir das Lied vom Tod" im Zusammenspiel mit den Bläsern entfaltet, zeigt beispielhaft die Vielfältigkeit von Noris Brass.

Das macht Laune. Die humorigen Einführungen in die Programmfolge durch Helmut Schmidt, der bewundernswerte Körpereinsatz des Dirigenten Susume Kakizoe und die präzise Reaktion der Combo auf seine Leitung, die sensiblen Soli von Peter Gunreben und anderen und das zugleich bündelnde und treibende Schlagwerk von Axel Dinkelmeyer lässt das Konzert zu einem Gesamtkunstwerk werden, von dem das Publikum nicht gerne lassen möchte. Bert Kaempferts "Dankeschön" reicht als Rausschmeißer jedenfalls noch nicht, erst Paul Ankas "My Way" schickt die Gäste auf ihren Heimweg.

UTE SCHARRER

Copyright (c) 2022 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 02.06.2022