Ein Leben am Telefon – Ökumenischer Gottesdienst im Rahmen der "Woche für das Leben" im Sigmund-Faber-Heim

Die Sitztanzgruppe des Sigmund-Faber-Heims lockerte den Gottesdienst auf.
Bildrechte: M. Ermer (Hersbrucker Zeitung)

"Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern." Viele Themen, ein ökumenischer Gottesdienst, bei dem Irma Volkert von der Telefonseelsorge Nürnberg sprach.

In seiner Begrüßung bedankte sich Stephan Abt, Leiter des Sigmund- Faber-Heims, bei den Mitwirkenden, darunter das Palliativ Care-TeamumRenateLinhard,die Hospizinitiative, vertreten durch Sabine Hess, ebenso wie die Diakonie (Susanne Deutschle), Caritas (Helmut Renner), Profemina (Martina Knodt) und die Telefonseelsorge.

Pfarrer Thomas Lichteneber und Pastoralreferentin Ursula Clasen hielten den ökumenischen Gottesdienst gemeinsam. Einen Teil davon bildeten der Bericht von Irma Volkert von ihren Erfahrungen in der Telefonseelsorge.

Seit 2007 ist sie ehrenamtlich und vor allem in der Nacht im Dienst für die Telefonseelsorge Nürnberg. Sie kommt so mit vielen Menschen mit verschiedenen Anliegen in Kontakt. Alle 45 Minuten sterbe ein Mensch durch Suizid, im Jahr seien das mehr als 12000 Menschen, bei einer Anzahl von über 150 000 Suizidversuchen pro Jahr. Bei Kindern sei das die vierthöchste Todesursache, bei Jugendlichen die zweithäufigste.

Hilferuf oder Abschied?

Volkert erzählte, dass sie anfangs viele Fragen gehabt habe, inzwischen aber keine Angst mehr bekomme. Trotzdem sei sie bei jedem Anruf noch angespannt, ob ihr Gesprächspartner nur einen Hilferuf sende oder es ein Abschiedsgespräch werde. Oft wisse das aber keiner, weder sie noch der Anrufer. Aber "wer anruft, will noch etwas vom Leben", sagt sie. Und das sei schon ein Anfang.

Ihr Aufruf an alle lautete, die Bemerkungen im Umfeld ernst zu nehmen und Hilfen anzubieten oder vorzuschlagen. Viel Zeit und lange Gespräche entstünden bei ihrer Arbeit, die Gründe, das Leben beenden zu wollen, müssen und dürfen ausgesprochen werden. Das Schwerste für sie: alles auszuhalten.

Wichtig sei auch, den Anrufer ernst zu nehmen und seine Not zu verstehen. Sie hat das Gefühl, dass ein Weg zurück ins Leben über einen Gesprächspartner geht. Nach dem Auflegen des Hörers zündet Volkert stets eine Kerze an, hofft und betet für den Anrufer. Auch den Besuchern des Gottesdienstes gabsiemitaufdenWeg, dass es kein Richtig und kein Falsch gebe, ebenso wie den abschließenden Wunsch nach jedem Gespräch: "Seien Sie behütet." Auch die Predigt von Pastoralreferentin Clasen über Elia unter dem Ginsterstrauch handelte davon, wie Suizide vermieden werden können. Sie schloss mit den Worten von Nietzsche: "Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie."

Copyright (c) 2019 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 22.05.2019