Ende für grätschendes Gewölbe naht

Bevor Handwerker die Spitalkirche innen und außen sanieren, schauten sich Norbert Dünkel, Robert Ilg, Thomas Beygang, Hermann Keim, Dietrich Kappler (Stadtkirchengemeinde) und Peter Uschalt das altehrwürdige Gotteshaus an (von links).
Bildrechte: Jürgen Ruppert (Hersbrucker Zeitung)

Sanierung der Hersbrucker Spitalkirche startet offiziell – Drei Jahre und drei Abschnitte – Zig Finanz-Bausteine

In rund drei Jahren hofft Bürgermeister Robert Ilg auf einen Festgottesdienst in der Spitalkirche. Bis dahin soll das "Schmuckkästchen" runderneuert sein. Stadtbaumeister Thomas Beygang nannte die Arbeiten an dem altehrwürdigen Bauwerk einen "Segensfall". "Ein großartiger Tag für Hersbruck", sagte Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel beim offiziellen Start.

Wegen der Corona-Pandemie geschah dies nur in kleiner Runde. "Ganz wort- und bildlos wollen wir aber nicht anfangen", sagte Robert Ilg. Das Zwei-Millionen-Euro-Projekt gliedert sich in drei Abschnitte: Zunächst kommt die Außenhülleder Spitalkirche an die Reihe, dann der Innenbereich und schließlich die Kunstgegenstände. Das Stadtoberhaupt freute sich, dass eine komplette Sanierung des Kleinods durchgeführt wird und nicht nur ein "Stückwerk".

Um das Jahr 1400 wurde im an der Goldenen Straße gelegenen Hersbruck ein Komplex aus Bürgerspital, Wirtschaftsgebäude und Scheune errichtet, schreibt Thomas Mertz von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die kurz danach hinzugekommene Spitalkirche ist ein massiver Saalbau mit steilem Satteldach und eingezogenem Chor. Das gotische Gotteshaus mit seiner Renaissanceausstattung wurde in den 1680ern barockisiert.

Markant ist das ineinander verschachtelte Dach aus verschiedenen Bauzeiten. Die komplizierte Konstruktion hat durch den Zahn der Zeit ziemlich gelitten. Zum Beispiel sind Sparrenfußpunkte zerstört worden, sagte Architekt Hermann Keim. Für die Zimmerer bedeutet das Sanieren dieser Teile einen großen Aufwand. Außerdem "grätscht" das Gewölbe über dem Chor auseinander, da keine Pfeiler vorhanden sind. Eventuell setzen die Fachleute einen Autokran ein, um das Dach abzuheben.

Die Ziegel müssen "runter", was mit ziemlich viel Lärm verbunden ist. An der Fassade werden die Handwerker Putzschäden beseitigen und die Farbe erneuern. Im Gegensatz zu den Orgelpfeifen bleibt der gotische Altar in der Spitalkirche. Dies hat mit dem Mikroklima und der Luftfeuchtigkeit zu tun, erklärt Hermann Keim. Das Kunstwerk erhält wie die übrige kostbare Ausstattung selbstverständlich einen Staubschutz.

Kurz mal dicht

Aktivitäten an dem Gotteshaus dürften erst Anfang März zu sehen sein. Bis dahin läuft der Rückbau. Straßensperrungen sind allenfalls kurzzeitig nötig, hofft der Architekt.

"Es ist eine große Ehre, ein 600 Jahre altes Gebäude bei der Sanierung fachlich begleiten zu dürfen", sagte Thomas Beygang. Die Aufgabe ist für ihn auch so eine Art Zeitensprung. Denn Kalkornamentputz, Lehmschlagdecken und Vernadelungstechnik spielen in modernen Häusern keine Rolle. Deshalb fand nur ein eingeschränkter Wettbewerb mit ausgewählten Firmen statt. Zum Teil kommen Fachleute aus der weiteren Umgebung zum Einsatz.

"Das Projekt hat mich bei meiner Tätigkeit als Stadtrat jahrzehntelang begleitet", sagte Dünkel. Trotz des maroden Zustands derBalkenkonntedieRettungaber nicht angegangen werden. Es fehlte das nötige Geld, um das Kleinod – in dem Dünkel geheiratet hat – zu bewahren.

Die Kostensituation hat sich nun entscheidend geändert. Ilg sprach angesichts der vielen Bausteine von einer Finanzierungsarchitektur. Eine Million stammt als Basisförderung aus dem Entschädigungsfonds des Freistaates Bayern. Der Rathauschef dankte Norbert Dünkel und außerdem Entscheidungsträgern im Bayerischen Städtetag für deren Fürsprache. DankderInitiativevonEx-Stadtbaumeister Lothar Grimm steuert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 33 000 Euro bei.

Ein großer Posten sind Spenden von Unternehmen und Privatleuten über die Ziegelaktion, die zweiter Bürgermeister Peter Uschalt ins Leben gerufen hat. Weitere Mittel fließen vom Landkreis, aus dem Fassadenprogramm, von der Messerschmidt-Stiftung (Restaurierung des Altars) und anderen, was nicht zuletzt auf die Initiative des stellvertretenden Kämmerers Wolfgang Klebl zurückgeht. Die Stadtkirchengemeinde führt Aktionen durch. "Jeder Euro tut uns gut",sagteIlg.Denn:Den Rest – das ist aktuell über eine halbe Million Euro – muss die Elisabeth-Spital-Stiftung aufbringen.

Copyright (c) 2021 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 02.02.2021