Engel und eine Brücke ins Paradies

Im DITIB-Moscheeraum lauschten Interessierte dem Imam zu islamischen Trauerritualen.
Bildrechte: Holger Wielsch (Hersbrucker Zeitung)

Neuer Imam aus Hersbruck hält Vortrag über Bestattung und Jenseitsvorstellung im Islam – Reihe von Dekanat und Raum der Stille

Die evangelische Bildungsarbeit im Dekanat und der Raum der Stille haben ihre interreligiöse Vortragsreihe fortgesetzt. Dieses Mal füllte sich der Moscheeraum der Türkisch-Islamisch-Kulturellen Union Hersbruck (Ditib) mit einer erfreulichen Anzahl Interessierter.

Eindrucksvoll und interessant war der Abend, umfassend der Vortrag des türkisch sprechenden Imams. Immer wieder gesungene Koran-Suren gestalteten ihn abwechslungsreich und vermittelten Einblick in die für viele Zuhörenden fremde Religion. Eine Gruppe junger Mitglieder der islamischen Gemeinde hatte sich als Übersetzer vorbereitet und ermöglichte so das gegenseitige Verständnis.

Jedes Wesen wird den Tod schmecken, das sei eine Regel des Lebens – so begann der Imam seinen Vortrag. Deshalb solle sich jeder auf den Tod vorbereiten. Dieser sei jedoch nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Lebens.

Zunächst ging der Imam auf die Bestattungskultur im Islam ein, die eng verbunden ist mit dem Glauben an ein Leben nach dem Tod und an das Jüngste Gericht. Gemäß der Überlieferung des Propheten wird der Verstorbene zunächst von ihm Nahestehenden gewaschen (Männer von Männern, Frauen von Frauen), um ihn vom Unrat der Erde zu reinigen. Wie ein Neugeborenes wird er in ein weißes, dreilagiges Tuch gehüllt. In der Moschee wird dafür gebetet, dass gute Taten belohnt, schlechte nicht bestraft werden.

Danach wird erimTuch,in einem Sarg liegend, begleitet von möglichst vielen Nahestehenden zum Grab gebracht und lediglich im Tuch in einer ein Meter tiefen Grube begraben, auf dem Rücken liegend, mit gen Mekka gerichtetem, nach rechts (Seite des Guten) gedrehtem Kopf. EinBrettschütztden Leichnam vor der Erde. An der Seite des Kopfes wird ein Stein errichtet. Empfohlen wird, dass das Begräbnis auf schnellstem Weg am Geburtsort stattfindet. Verstorbene werden nicht über-,sondern nur nebeneinander bestattet. Mehrfachbelegung oder Auflassung von Gräbern sowie Feuerbestattungen sind gemäß Koran nicht erlaubt.

Bereits im Grab erfolge durch zwei Engel die erste Überprüfung auf "Gut" (Engel zur Rechten) oder "Böse" (Engel zur Linken). Am Jüngsten Tag erwecke Allah alle Toten. Jeder müsse sich einer Befragung unterziehen. Ein Überwiegen schlechter Taten bringe Erweckte in die Hölle, das Überwiegen guter Taten ins Paradies. Nach der Befragung müsse eine über die Hölle führende Brücke beschritten werden. Wer gesündigt oder wer nicht an den Islam geglaubt habe, falle hinab in die Hölle. Wer an Allah geglaubt habe, komme durch Fürbitten der Propheten nach der Bestrafung noch ins Paradies. Dort erhalte man alles, was man sich nur wünsche.

Zahlreiche Fragen zum Thema, zum Islam allgemein und zum Moscheeraum spiegelten das Interesse des Publikums. Von Salafismus und Terrorismus im Namen des Islams grenzten sich die Vertreter der islamischen Gemeinde strikt ab. Dies spiegle nicht den Islam. Denn dort heiße es: "Auch wenn man einen Menschen tötet, dann hat man die Menschheit getötet." Menschen, die einander fremd waren, lernten an diesem Abend Andersartiges, ihnen Fremdes kennen, konnten aber auch Gemeinsamkeiten entdecken und sich auf diese Weise ein Stück näherkommen zu einem Miteinander in Frieden. Dankesworte und gegenseitige Geschenke rundeten den Abend ab.

Der nächste Abend der Vortragsreihe findet am 23. Januar, 19.30 Uhr im Gästesaal des Stadthauses (Schlossplatz 4a) statt. David Blank, Bestattungsunternehmer und Trauerberater, spricht über das Thema "Trauerrituale im Wandel der Zeit".

IRMINGARD PHILIPOW, LYDIA KOSSATZ

Copyright (c)2020 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 22/01/2020