Innere Einkehr mit Musik

Rücken an Rücken interpretieren Jeanne und Maximilian Vogt "4 Songs for Voice and Violin" von Gustav Holst.
Bildrechte: Ute Scharrer (Hersbrucker Zeitung)

Spitalkirchenöffner luden zu stillem Konzert in die Spitalkirche – Mischung aus Lesung, Gesang und Begleitung

Eine rundum schöne und lohnende Sache war das Benefizkonzert, das die "Spitalkirchenöffner" zugunsten der Sanierung der kleinen Kirche stattfinden ließen. Mit Jeanne und Maximilian Vogt sowie Christine Werner hatten sie sich sensibel und fein musizierende Gestalter einer musikalischen Meditationsstunde eingeladen.

"Jesu meine Freude", die von Maximilian Vogt gelesenen sechs Strophen des Kirchenlieds, das davon spricht, sich von weltlichen Dingen ab – und Jesus zuzuwenden, formte eine Interpunktion zwischen den instrumentierten und gesungenen Stücken aus fast 800 Jahren und gab den Grundton für die musikalische Meditation vor. Ohne störenden Zwischenapplaus und ausgeschmückt mit farbigem Licht auf den grandiosen Elisabeth-Altar, den es unter anderem in dem Schatzkästlein Spitalkirche zu erhalten gilt, konnte sich eine gesammelte, konzentrierte Stimmung bilden, die Musikgenuss und innere Einkehr gleichermaßen begünstigte.

Der unprätentiöse, aber kraftvolle Tenor Maximilian Vogts war der ideale Träger für die getragenen und sehnsuchtsvoll-beschwörenden Kompositionen voll Weltüberdruss und Gottessehnsucht, angefangen mit "O aeterne Deus" von Hildegard von Bingen aus der Verborgenheit des Sakristeiwinkels heraus.

Einfühlsam begleitet

Jeanne Vogt an Piano oder Geige und Christine Werner am Cello begleiteten und untermalten einfühlsam und aufmerksam die Stücke, die von Johann Sebastian Bachs wohlgeordneten "Gesängen zu Schemellis Gesang-Buch" bis zu den in ihren Emotionswechseln schillernden Gellert-Liedern, die Beethoven vertont hat, reichten.

In unterschiedlichen Besetzungen und teils Rücken an Rücken mitten im Kirchenschiff musizierend, wurden die Vogts mit Christine Weber all diesen musikalischen Herausforderungen mehr als gerecht. Jeanne Vogt setzte an der Geige noch einen Kontrapunkt, der wach rüttelte und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz ganz modern intonierte, als sie eine Sonate von Max Reger mit der schönen Vorgabe "Allegro energico" mit entsprechendem Temperament auslegte.

Mit einem zufriedenen Seufzer und erst nach einer Zugabe entließ das Publikum, das nahezu alle Sitzplätze der Kirche belegt hatte, die Musiker. Der Dank der "Spitalkirchenöffner", die in den Wintermonaten bis Ende März um 12 Uhr im Rahmen eines Mittagsgebets einheimischen und auswärtigen Gästen den Einblick in den besonderen Kirchenraum ermöglichen, ging an die anwesenden Sponsoren Friedrich-Wilhelm Dauphin und den Lions-Club Hersbruck, vertreten durch Michael Krammer und Dieter Bärmann. Auch die Spenden der Besucher werden voll und ganz der Spitalkirche zugute kommen.

Die aktuellen Öffnungszeiten durch die Spitalkirchenöffner stehen auf der Webseite der Stadtkirchengemeinde unter www.hersbruck-stadtkirche.de/treffpunkte-und-gruppen. An jedem ersten Samstag im Monat erläutert Stadtführer Horst Piesche – ebenfalls ehrenamtlich – mit seiner besonderen Fachkunde die Geschichte der Spitalkirche und ihrer Kunstschätze.

Ute Scharrer

Copyright (c) 2019 Verlag Nürnberger Presse, Ausgabe 16.02.2019