Von der Rüstung zum Ballon

Bestatter David Blank (rechts) schlug einen weiten Bogen von den Trauerritualen der Germanen bis in die heutigen Tage.
Bildrechte: Gerda Münzenberg (Hersbrucker Zeitung)

Reihe über Jenseitsvorstellungen und Bestattungskulturen von evangelischer Bildungsarbeit und Raum der Stille

Die Germanen haben ihre Toten verbrannt – samt Hab und Gut. Wie sich Trauerrituale seitdem gewandelt haben, erzählte Bestatter David Blank.

Während des christlichen Mittelalters war ausschließlich die Erdbestattung erlaubt und die Verbrennung der Toten galt als Sünde, denn die Auferstehung des Fleisches erforderte ein Begräbnis des unversehrten Körpers, führte Blank aus. "Der Geistliche hatte dem Sterbenden mit seelischem Beistand und letzter Ölung zur Seite zu stehen." Die Leichname seien zuhause von Leichenfrauen gewaschen worden und waren drei Tage lang mit Blumen und Kerzen geschmückt aufgebahrt, damit die Verwandten und Freunde Abschied nehmen konnten, so Blank. "Zum Ritual gehörte neben dem Abnehmen der Spiegel auch das Öffnen der Fenster, damit die Seelen der Verstorbenen entweichen konnten." Traditionell trugen die Trauergäste schwarze Kleidung.

Heute gebe es fürs Abschiednehmen die Aussegnungshallen. Mit einem feierlichen Gottesdienst, dessen Ablauf in der katholischen Kirche noch immer einer festen Regel unterliegt, werde der Tote beerdigt. "Die evangelische Kirche erlaubt es den Angehörigen, Einfluss auf den Ablauf zu nehmen und der Zeremonie ein persönlicheres Gepräge zu geben", fand er. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen habe sich immer mehr die Feuerbestattung durchgesetzt, weil sie preisgünstiger war, erläuterte Blank. Aber erst 1963 sei sie auch von der katholischen Kirche offiziell erlaubt worden. Zwischen dem Trauergottesdienst und der Urnenbeisetzung liegen in diesen Fällen oft mehrere Tage oder Wochen, weiß der Bestatter aus Erfahrung. "Es ist hierzulande vorgeschrieben, dass die Toten in Särgen, sowie bei Feuerbestattungen die Asche der Verstorbenen in Urnen auf speziell dafür eingerichteten Friedhöfen beigesetzt werden." Neuerdings gebe es aber auch die Möglichkeit, in Friedwäldern die biologisch abbaubaren Ascheurnen an den Wurzeln eines Baumes zu begraben, wo es keine Grabpflege gebe, man jedoch eine Gedenktafel mit dem Namen des Verstorbenen an dem Baum anbringen lassen könne. Im benachbartenAusland, zumBeispielinder Schweiz und in den Niederlanden, hätten sich laut Blank auch andere Bestattungsformen etabliert,die hier noch nicht zugelassen sind, zum Beispiel die Asche der Toten in Helium-Ballons aufsteigen zu lassen, die in der Stratosphäre zerplatzen und die Asche verstreuen.

Ins gleiche Raster fallen aus Asche gepresste Diamanten, Erstere ins Weltall zu schießen oder die Urnen im eigenen Garten zu vergraben. Das habe eine Reihe von Firmen ins Leben gerufen, die einem helfen, diese Verbote zu umgehen. "Legal ist das jedoch nicht", mahnte Blank.

GERDA MÜNZENBERG